Geschichten · Planung · 9 Min. Lesezeit
Motorradurlaub auf Mallorca: beste Reisezeit, Mietmotorrad und Planung
Wann sich Mallorca auf zwei Rädern am besten fährt, welcher Führerschein für welches Mietmotorrad reicht, warum Mieten oft klüger ist als die Fähre, und eine Tagesrunde ab dem Flughafen durch das Inselinnere bis zum Cap de ses Salines.

Die meisten Menschen kennen Mallorca vom Handtuch aus. Ich kenne es inzwischen auch vom Sattel, und von dort sieht die Insel ganz anders aus: Mandelbäume statt Liegestühle, Klosterberge statt Hotelburgen, Dörfer, in denen mittags nur der Bäcker und die Katzen wach sind. Mallorca ist klein genug, um es in einer Woche kreuz und quer zu fahren, und abwechslungsreich genug, dass einem dabei nie langweilig wird. Hier steht, was ich vor der ersten Motorradwoche gern gewusst hätte: wann man fährt, was man zum Mieten braucht, ob sich die Fähre lohnt, was in die Tasche gehört, und eine Runde durch das Inselinnere und den Süden, die direkt am Flughafen beginnt.
Die beste Reisezeit für Motorradfahrer
Kurz gesagt: Frühling und Herbst. Im Hochsommer ist es zum Fahren in voller Schutzkleidung oft zu heiß, im Winter kann es trocken und herrlich sein, aber auch nass, windig und in den Bergen kalt. Die Werte unten sind typische Tageshöchsttemperaturen und Regentage im langjährigen Mittel, gerundet, also ein Richtwert und keine Wettervorhersage. Mehr Zahlen für jeden Monat findest du im Reisezeit-Explorer.
| Zeitraum | Tageshöchstwert | Regentage | Zum Fahren |
|---|---|---|---|
| Dezember bis Februar | 15 bis 16 Grad | 6 bis 8 | Ruhig, kurze Tage, Regenkleidung mitnehmen |
| März und April | 18 bis 20 Grad | um 6 | Sehr gut, viele Radfahrer unterwegs |
| Mai | um 24 Grad | um 5 | Ideal |
| Juni bis August | 28 bis 31 Grad | 1 bis 2 | Nur früh am Morgen oder am Abend |
| September | um 28 Grad | um 5 | Gut, erste Gewitter möglich |
| Oktober | um 24 Grad | um 8 | Sehr gut, warmes Meer, weniger Verkehr |
| November | um 19 Grad | um 8 | Gut, aber wechselhaft |
Meine Lieblingsfenster sind Mitte April bis Anfang Juni und Mitte September bis Ende Oktober. Dann ist es mittags warm genug für eine Pause im Schatten, morgens frisch genug für die Jacke, und die Straßen sind trocken. Herbstregen fällt auf Mallorca oft als kurzer, heftiger Guss, und auf frisch nassem Asphalt nach langer Trockenheit ist es glatt. Nach einem Schauer also eine halbe Stunde Kaffee einplanen, bevor du weiterfährst.
Feiertage, Verkehr und Radfahrer
An Feiertagen ist auf der Insel mehr Ausflugsverkehr, und in den Dörfern sind Läden und manche Tankstellen geschlossen. Der wichtigste regionale Feiertag ist der Balearentag am 1. März. Dazu kommen die spanischen Feiertage wie Ostern, der 1. Mai, der 15. August, der 12. Oktober, der 1. November, der 6. und 8. Dezember und Weihnachten, außerdem die Dorffeste, bei denen Ortskerne für ein paar Stunden gesperrt sein können. Prüf den Kalender für deine Reisewoche, bevor du eine Runde mit Markt oder Kloster planst.
Im Juli und August ist die Ringautobahn um Palma zu den Stoßzeiten zäh, und rund um die bekannten Strände suchen Mietwagen Parkplätze. Im Frühjahr trainieren dafür sehr viele Rennradgruppen auf der Insel, oft in langen Reihen und am Wochenende besonders zahlreich. Auf den schmalen Landstraßen heißt das: geduldig bleiben, mit Abstand überholen und in unübersichtlichen Kurven damit rechnen, dass hinter der Kehre ein Peloton bergauf kriecht.
Welcher Führerschein für welches Motorrad?
Mit dem Führerschein der Klasse A darfst du jedes Motorrad fahren, mit A2 nur Maschinen bis 35 kW und höchstens 0,2 kW je Kilogramm Leergewicht. Für ein Mietmotorrad zählt aber nicht nur das Gesetz, sondern auch der Vertrag. Jeder Vermieter legt eigene Bedingungen fest, etwa ein Mindestalter, wie lange du den Führerschein schon besitzen musst, die Höhe der Kaution und der Selbstbeteiligung. Lies das vor der Buchung, nicht am Schalter.
Mietmotorräder gibt es auf Mallorca bei mehreren Vermietern, viele davon nahe dem Flughafen Palma, sodass du direkt nach der Landung losfahren kannst. Bei vielen Vermietern gilt für die großen Maschinen der Klasse A ein höheres Mindestalter und eine gewisse Zeit Fahrpraxis, während A2-Modelle schon jüngeren Fahrern offenstehen. Was genau gilt, also Führerscheinklasse, Mindestalter, Kaution, Kilometer und Zubehör, prüfst du beim jeweiligen Vermieter. Die Auswahl ist meist breit. Für A2 sind leichte Naked Bikes und Cruiser mit kleinem Hubraum typisch, etwa eine Honda CMX500 Rebel, eine KTM 390 Duke oder eine Triumph Speed 400. Mit Klasse A reicht das Feld von Mittelklasse-Reiseenduros wie der BMW F 800 GS oder F 900 GS über Retro-Modelle wie die BMW R nineT oder die R 12 G/S bis zu den großen Reiseenduros wie der BMW R 1300 GS. Manche Vermieter bieten auch geführte Touren in kleinen Gruppen an, eine gute Wahl, wenn du die Insel zum ersten Mal fährst. Frag vor der Buchung, welche Schutzkleidung und welches Gepäck im Preis enthalten sind.
Mein Rat für die Modellwahl: Auf Mallorca bist du selten schnell, aber oft in engen Kehren, auf schmalen Dorfstraßen und auf Rampen zu Klöstern unterwegs. Eine handliche Mittelklasse macht hier mehr Spaß als ein schweres Reisemotorrad, es sei denn, du fährst zu zweit mit Gepäck.
Mieten oder mit dem eigenen Motorrad auf die Fähre?
Natürlich kannst du dein eigenes Motorrad mitbringen. Die übliche Verbindung ist die Nachtfähre von Barcelona nach Palma, je nach Reederei und Schiff grob sieben bis acht Stunden, Abfahrt meist am späten Abend. Auch ab Valencia gibt es Verbindungen. Fahrpläne, Fahrzeiten und Preise ändern sich mit der Saison, also immer direkt bei der Reederei prüfen.
Die Rechnung geht trotzdem selten auf, wenn du nur eine Woche bleibst. Von Deutschland bis Barcelona sind es zwei lange Anreisetage auf der Autobahn, dazu kommen Fährticket mit Fahrzeug, Kabine, Übernachtungen, Sprit und Reifen, und am Ende verbringst du vier Urlaubstage mit An- und Abreise. Mit Flug und Mietmotorrad stehst du am Ankunftstag mittags im Sattel. Die eigene Maschine lohnt sich vor allem, wenn du ohnehin länger unterwegs bist, etwa Mallorca an eine Spanienreise hängst oder mehrere Wochen bleibst.
Rundtour: Inselinneres und Süden ab dem Flughafen
Diese Runde zeigt die Seite Mallorcas, die kaum jemand vom Strand aus sieht: zwei Klosterberge, die Dörfer der Ebene, Weinbau und am Ende die flache, helle Südspitze mit Salinen und Leuchtturm. Je nach Variante kommen grob 200 bis 230 Kilometer zusammen, ohne Hochgebirge, aber mit zwei schönen Serpentinen. Plane einen ganzen Tag ein. Die Straßennummern unten helfen bei der Orientierung, für die Feinheiten zwischen den Dörfern nimm ein Navi.
- Flughafen bis Llucmajor. Vom Flughafen geht es über die Autobahn Ma-19 Richtung Llucmajor. Kein schöner Abschnitt, aber ein schneller, und du bist in zwanzig Minuten raus aus dem Großraum Palma.
- Puig de Randa und Santuari de Cura. Von Llucmajor nimmst du die Ma-5010 Richtung Algaida. Im Dorf Randa zweigt die Ma-5018 ab und windet sich in Kehren auf den Puig de Randa, gut 540 Meter hoch. Oben liegt das Kloster Cura, und die Aussicht reicht über die ganze Ebene bis zum Meer. Am Hang liegen zwei weitere Einsiedeleien, Gràcia und Sant Honorat. Vorsicht, die Auffahrt ist bei Radfahrern sehr beliebt.
- Algaida. Zurück im Tal führt die Straße nach Algaida, einem ruhigen Dorf mitten in der Ebene, das für seine traditionellen Restaurants an der Landstraße bekannt ist. Gute Stelle für einen Kaffee.
- Sineu. Über kleine Landstraßen durch Felder und Mandelplantagen geht es nach Norden nach Sineu, ins geografische Herz der Insel. Mittwochvormittag ist hier Wochenmarkt, einer der ältesten Mallorcas, bis heute mit Tiermarkt. Dann ist der Ort voll und der Kern zu, also am Rand parken und zu Fuß hinein. An anderen Tagen ist Sineu angenehm still.

- Petra. Weiter nach Osten liegt Petra, ein Dorf aus hellem Sandstein und schmalen Gassen, Heimatort des Franziskaners Junípero Serra, der in Kalifornien Missionen gründete. Das Pflaster im Ort ist eng, das Motorrad lässt du besser am Ortsrand.
- Felanitx. Von Petra geht es nach Süden durch Weinbaugebiet nach Felanitx, einer Kleinstadt mit großer Kirche und eigener Weintradition.
- Santuari de Sant Salvador. Kurz hinter Felanitx zweigt von der Ma-4010 Richtung Portocolom die Bergstraße zum Puig de Sant Salvador ab, rund 500 Meter hoch. Die schmale Straße schraubt sich in engen Kehren nach oben, auch hier sind viele Radfahrer unterwegs. Oben stehen das Kloster, ein großes Steinkreuz und eine Christusstatue auf einer Säule, und bei klarer Sicht siehst du die Insel Cabrera im Süden.
- Ses Salines. Zurück in Felanitx geht es Richtung Süden über Santanyí nach Ses Salines, das seinen Namen von den Salzgärten hat, die zwischen hier und Colònia de Sant Jordi liegen.
- Cap de ses Salines. Über die Ma-6100 und die Ma-6110 fährst du bis an den südlichsten Punkt Mallorcas. Der Leuchtturm aus dem 19. Jahrhundert ist nur von außen zu sehen, die Parkplätze sind knapp, und das letzte Stück ist eine schmale Stichstraße. Dafür gibt es Felsküste, Wind, Meer in drei Farben und im Süden wieder Cabrera.
- Zurück zum Flughafen. Über Ses Salines und Campos erreichst du wieder die Ma-19 und bist in gut einer halben Stunde zurück am Flughafen.

Die Runde lässt sich gut in zwei Hälften teilen, wenn du lieber langsam fährst: am ersten Tag Randa, Sineu und Petra, am zweiten Sant Salvador und den Süden mit einem Bad an einer Bucht bei Santanyí. Wer am Mittwoch fährt, sollte Sineu an den Anfang legen, weil der Markt mittags endet.
Was in die Tasche gehört
Für eine Motorradwoche auf Mallorca packst du anders als für den Strand. Das Wichtigste aus meiner Liste, die du im Packlisten-Baukasten abspeichern kannst:
- Papiere: Führerschein und Ausweis im Original, Buchungsbestätigung, Kreditkarte für die Kaution, die Notrufnummer 112 im Telefon.
- Schutzkleidung: Klär vorher, was der Vermieter stellt. Eigene Handschuhe und Stiefel sitzen fast immer besser, und eine eigene Sturmhaube ist angenehmer als ein geliehener Helm ohne.
- Für Hitze: luftige Funktionsunterwäsche, ein Halstuch zum Anfeuchten, Sonnencreme auch für den Nacken und eine Trinkflasche. Unterwegs gibt es in jedem Dorf eine Bar, aber nicht in jeder Kehre.
- Für Wetter: eine dünne Regenkombi im Frühjahr und Herbst, eine warme Zwischenschicht für Bergfahrten und kühle Abende.
- Technik: Halterung und Ladekabel fürs Telefon, eine Powerbank, Offline-Karten für die Dörfer ohne Netz, Ohrstöpsel für die Autobahnstücke.
- Für Pausen: Badesachen und ein leichtes Handtuch. Die Buchten im Süden liegen nur wenige Minuten neben der Strecke.
Mehr zum Packen für warme Orte steht in meiner Packliste für die Sonne, und alles über die Insel selbst, von den Stränden bis zu den Festen, im Mallorca-Reiseführer.
Drei Tipps zum Schluss
- Fahr früh los. Zwischen acht und elf Uhr sind die Straßen leer, das Licht ist weich und die Hitze noch weit weg.
- Tank, wenn du eine Tankstelle siehst. Im Inselinneren liegen sie weiter auseinander, als man denkt, und manche schließen am Sonntag.
- Rechne mit Tieren, Traktoren und Rollsplitt. Die schönsten Nebenstraßen sind die schmalsten, und hinter der Steinmauer kommt nicht immer jemand, aber manchmal ein Schaf.
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